Als „Paris des Ostens“ wurde Kairo früher bezeichnet und ich erkenne direkt, woher dieser Name kommt. In Downtown reiht sich ein herrschaftliches Stadthaus an das nächste, wenn ich für einen Moment die arabischen Schriftzüge an den Häusern und Geschäften ausblende – dann kann ich es mir schon vorstellen. Wie es früher einmal gewesen sein muss. Heute wirkt Cairo auf mich laut und fordern, aber auch voller Geschichte, romantischer Seitenstraßen und politischer Umbrüche. Die größte Stadt der arabischen Welt übt eine gewisse Faszination auf mich aus.

Vielmehr als an Paris, erinnert mich das Straßenbild – zumindest in Downtown – an Havanna. Der Charme des Vergangenen weht durch die Straßen. Sicherlich war es einmal sehr herrschaftlich hier. Früher. Heute blättert der Putz und in vielen Häusern fehlen die Fensterscheiben. Irgendwie mag ich die Atmosphäre.

Kairo – Downtown

Hier tobt das Leben. Auf den ersten Blick wirkt es vielleicht nicht so – und die Einwohnerzahl von geschätzten 25 Millionen Menschen lässt vielleicht anderes erwarten – aber Cairo lässt sich in weiten Teilen zu Fuß erkunden. Es bietet sich sogar an: Der Verkehr verstopft die Straßen und zu Fuß ist man oft schneller. Eine Alternative ist die Fahrt mit der U-Bahn, Taxis und Careem brauchen ewig.
Wir hatten uns bewusst für ein günstiges Hotel mitten im Stadtzentrum entschieden; die meisten großen Hotelketten sind auf der Insel im Nil in XXX. Wir wollten es etwas authentischer und eher „mittendrin“. Genau das haben wir bekommen: Das Leben startet hier etwas später (die meisten Shops öffnen ihre Türen nicht vor 11:00) dafür ist auch nach Mitternacht noch einiges los. Ein Hotel in Downtown Cairo ist in keinem Fall etwas für Menschen mit leichtem Schlaf und auch nicht für solche, die einen westeuropäischen Standard bei Sauberkeit, Service und Ausstattung erwarten.

Erstaunlich viele Bars und Restaurants in der ganzen Stadt (mit Ausnahme des Islamischen Viertels) servieren Bier und andere alkoholische Getränken.  Die Straßen sind voller kleiner Cafés, Restaurants, Imbisse und wer mit offenen Augen durch die Straßen läuft, wird allerhand kurioses entdecken. Wie überall in der Region gibt es Shawarma und Falafel, dazu viele Eintöpfe und eine Art Pfannkuchen, in süß und salzig – alles sehr sehr lecker. Natürlich gibt es neben den ägyptischen Spezialitäten auch alle anderen gängigen Küchen, vor allem sind auch (für mich etwas exotischere) Restaurants mit den Landsküchen aus dem Yemen, Sudan und vielen unterschiedlichen afrikanischen Ländern vertreten. Wer sucht, der findet.
Grundsätzlich gibt es wenige Straßenschilder, die meisten Restaurants geben ihre Namen nur in arabischer Sprache preis – ein bisschen Improvisationstalent und eine offene Einstellung sind gefragt, dann findet sich immer jemand, der bereit ist zu helfen.

Das ägyptische Museum.

Tatsächlich ein Museum im doppelten Sinne: Natürlich für die ausgestellten Fundstücke der antiken Hochkultur. Aber gleichzeitig – und natürlich unbeabsichtigt – auch wegen des Museums als Solchem. Seit der Eröffnung 1902 wurde nahezu nichts mehr verändert, nur ergänzt. In alten Holzvitrinen liegen sie, die Stücke die als Grabbeigaben in Pyramiden gefunden oder an einer der zahlreichen Ausgrabungsstätten freigelegt wurden. Kleine und große Funde, nebeneinander aufgereiht, mit Nummern versehen. Aber ohne Beschreibung. Nur vereinzelt findet sich ein – mit Schreibmaschine geschriebener und vergilbter – Zettel, der ein Informationsbruchstück gibt. Im Nachhinein betrachtet wäre ein Guide sicherlich eine gute Idee gewesen; so haben wir uns entlang der Ausführungen unseres Reiseführers gehangelt. Beeindruckend war es trotzdem, wiederkommen würden wir auch.
Das Grab von Tutankhamun war das erste, das man komplett gefüllt und von Grabräubern verschont gefunden hat. Es war über Jahrtausende hinweg unter einem anderen Grab verborgen und deswegen bei der Entdeckung und Freilegung noch vollkommen intakt und voller Schätze; deswegen ist der Name uns so geläufig, deswegen ist Tutankhamun so bekannt. Das Grab wurde im Tal der Könige bei Luxor gefunden – die Schätze und Grabbeigaben liegen zum Großteil im Ägyptischen Museum in Kairo (1.Stock, letzter Raum ganz hinten sind die goldene Totenmaske und die inneren goldenen Sarkopharge zu finden), andere Stücke sind in London und Paris zu finden.

Direkt vor dem Ägyptischen Museum, das sich der lange vergangenen Geschichte des Landes am Nil widmet, findest du einen ganz aktuellen Teil der Geschichte: Das Museum liegt am Rande des Tahir Platzes. Hier hat 2011 der arabische Frühling gestartet, hier wurden die Umstürze diverser Herrscher und Regimes in der arabischen Welt initiiert. Der Platz an sich ist ein riesiger Kreisverkehr. Nicht besonders schön anzusehen, aber irgendwie beeindruckend. Für einen Blick in die andere Richtung – weg von diesem Teil der Stadt, in Richtung Nil und mit viel Glück auch auf die Pyramiden – empfiehlt sich die Bar des Ritz Carlton, das auch direkt am Tahir Platz liegt. Am Abend muss man reservieren.

Achtung:
Kameras kosten extra (50 EP) und auch der Raum mit den königlichen Mumien wird nochmal zusätzlich berechnet (150 EP).  Das Ticket für die Kamera kann man gleich am Eingang mitlösen, die Mumien zahlt man innerhalb des Gebäudes (in Raum 56).
Ich empfehle Dir einen Besuch am Morgen oder am Vormittag. Die Beleuchtung innerhalb des Museums ist sparsam und wenn die Sonne draußen verschwindet, musst du eine Taschenlampe mitbringen um irgendwas erkennen zu können 😉
Innerhalb des Museums gibt es keine Möglichkeit etwas zu trinken zu kaufen, weil man mindestens drei bis vier Stunden in den altehrwürdigen Mauern verbringt, solltest du eine Flasche Wasser mitbringen.

Das koptische Kairo.

In Ägypten leben Muslime, Juden und Christen zusammen. Im koptischen Viertel in Cairo stehen die ältesten Gotteshäuser der drei großen monolithischen Religionen nur ein paar Schritte voneinander entfernt.Innerhalb der Mauern des koptischen Viertels kommt das hektische Kairo zur Ruhe. Für uns war es wie eine kleine Oase, eine Ruheinsel – einmal tief durchatmen.
Wir waren in der hängenden Kirche, einer Synagoge, haben die Kirche von St. Sergius& Bachhus gesehen (gebaut über der Höhle, in der sich die heilige Familie während ihrer Flucht aus Israel nach Ägypten versteckt hat) und sind über den koptischen und den orthodoxen Friedhof spaziert.
Wir haben die Metro von Downtown in das nicht ganz so zentral gelegene koptische Viertel genommen – das ging komplett problemlos. Für Frauen, die alleine unterwegs sind, gibt es spezielle „Ladies Compartments“ in der Metro und gesondert gekennzeichnete Wartebereiche. Wir haben gemeinsam das „gemischte Abteil“ genommen, dort waren auch Frauen unterwegs und für uns war es völlig problemlos dort zu fahren. Alleine würde ich mich wahrscheinlich für das Frauen-Abteil entscheiden.

Achtung:
Das koptische Viertel in Kairo ist ein sehr religiöser Ort – entsprechend passende und respektvolle Kleidung möchte ich Dir ans Herz legen. Nun solltest du in Kairo eh nicht in Shorts und Tanktop rumlaufen…trotzdem: In Kirchen und Synagogen muss man Schultern und Knie bedecken. Immer. Ein leichter Schal ist immer eine gute Empfehlung.

Das islamische Kairo.

Der Name ist ein bisschen verwirrend: Das islamische Kairo ist nicht stärker muslimisch geprägt als der Rest der Stadt. Es handelt sich einfach um ein sehr altes Stadtviertel, in dem unter anderem ein bunter Markt und zahlreiche Überreste von ehemaligen Harems zu finden sind.
Wir haben uns für einen Spaziergang von Downtown aus entschieden: In etwa einer halben Stunde durch Gassen, über Straßenmärkte und entlang geschäftiger Straßen ist man dort. Ich entdecke Städte wann immer möglich gerne zu Fuß – ich finde, dass man so am meisten mitbekommt.
Ein kleiner Tip am Rande: Wenn du die Straße überqueren willst, dann läufst du einfach los. Es bringt nichts zu Warten, bis etwas weniger Verkehr ist oder ein Auto anhält. Das wird nicht passieren. Du läufst los und dann werden die Autos stoppen.
Auf der Suche nach einem der letzten wirklichen Buchmacher der Stadt sind wir zunächst durch den Gewürzmarkt und vorbei an der Al-Azhar Moschee und dem Obst- und Gemüsemarkt spaziert; meine Empfehlung ist es sich hier einfach ein bisschen durch die Gassen treiben zu lassen – es gibt allerhand kurioses zu entdecken und die Bewohner sind wirklich herzlich und freundlich.
Märkte gehören für mich zum Nahen Osten und zum Einkaufserlebnis dazu. Ich habe großen Spaß dort und entdecke einfach gerne, was es zu Kaufen gibt. Khan al-Khali ist besonders hübsch in die alten Straßen eingebettet. Der Beginn westlich der Sayyidna al-Hussein Moschee ist noch sehr touristisch, je weiter nach Westen Richtung Downtown man geht, desto authentischer wird es.

Achtung:
Im islamischen Viertel von Kairo sind (vergleichsweise) viele Touristen unterwegs. Du wirst nicht ganz so sehr auffallen wie im Rest der Stadt. Trotzdem ist auch hier angemessene Kleidung angebracht. Glaub mir, du willst nicht mit den Bemerkungen und Blicken konfrontiert werden, die ein Trägertop oder ein Paar Shorts verursachen. Ob tatsächlich mehr passiert als die Bemerkungen? Wahrscheinlich nicht, aber die Bemerkungen reichen. Glaub mir, ich habe es bei anderen Touristinnen beobachten können.

Die Gartenstadt in Kairo.

Neben dem koptischen Viertel ist es vielleicht die auf einer Insel im Nil gelegene Gartenstadt, die die meiste Ruhe verströmt. Hier reihen sich Stadtvillen aneinander. Alte Palmen und riesige Bäume geben dem Viertel seinen Namen, zeugen von der ehemaligen Pracht dieses Viertels. Hier sind zahlreiche Botschaften, es ist ein Viertel in dem sich westliche Ausländer die Klinken in die Hand geben. Beim Durchschlendern werde ich immer wieder an Havanna erinnert. Schön ist es, ruhig und schattig.

Und die größte und bekannteste Sehenswürdigkeit? Die Pyramiden von Giza?
Denen habe ich einen eigenen Beitrag gewidmet – du findest ihn HIER.