Seit zwei Stunden fahren wir mit dem Bus. Meine beiden wunderbaren Reisebegleiter sind eingeschlafen in der Sekunde, in der wir eingestiegen sind. Ich kann nicht schlafen. Es ist warm, eng und stickig. In der Reihe hinter mir weint ein Baby. Ich schaue aus dem Fenster: Palmen, vertrocknetes Gras und halb verhungerte Kühe wechseln sich ab. Zwischendurch immer wieder kleine Flüsse, die die karge Landschaft auflockern und um die es plötzlich grün wird. Wie kleine schlangenförmige Oasen liegen sie in der Dörre. Ich schaue aus dem Fenster und stelle mir die Rebellen vor, die sich vor mehr als 50 Jahren durch das Landesinnere vorgekämpft haben – von Santiago de Cuba bis nach Santa Clara. Eine recht lange Strecke.

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Mit dem Reisebus nach Stanta Clara.

Nachdem wir drei Tage in Havanna waren, stand Santa Clara als nächste Station auf unserem Plan. Der öffentliche Nah- und Fernverkehr funktioniert fast ausschließlich über Busse, wir nehmen also den Bus nach Santa Clara. Vier Stunden für etwas mehr als 150 km – meiner Erwartungen sind gering. Als ich den Bus gesehen habe, war ich kurz in Versuchung nicht einzusteigen. Der Bus gehört wohl eher ins Museum, als auf die Straße. Mir wird schlagartig klar, warum wir vier Stunden brauchen. Ich bearbeite auf dem MacBook ein paar Bilder und döse weg. Die Landschaft ist so karg, dass ich mich nicht dafür begeistern kann aus dem Fenster zu schauen.

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Santa Clara ist wohl die Hauptstadt der Revolution.

Auch wenn Che Guevara und Fidel Castro auf der kompletten Insel sehr präsent sind – nirgends hat man so sehr das Gefühl die zwei könnten gleich um die Ecke kommen. Das mag daran liegen, dass die Revolutionäre in Santa Clara die finale Schlacht gewonnen und die Regierungstruppen endgültig geschlagen haben. Oder auch daran, dass hier das Mausoleum steht in dem Che seine letzte Ruhe gefunden hat. Er ist so omnipräsent, dass es mir fast schon Angst macht: Hasta la revolución siempre und Che´s Antlitz schauen mir von fast jeder zweiten Hauswand entgegen.

Während der letzten Monate meines Studiums und meiner Magisterarbeit habe ich mich sehr viel mit Che und den Methoden der Rebellen wissenschaftlich auseinander gesetzt. Ich habe all seine Bücher gelesen, Karten studiert, Fotos gesehen – jetzt fünf Jahre später tatsächlich an den Orten zu sein, an denen er gewirkt hat ist ein verrücktes Gefühl. Plötzlich sind die Rebellen in meinem Kopf wieder präsent und ich erinnere mich an viele Zusammenhänge und Anekdoten.

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Bin ich jetzt entspannter? Ein bisschen. Manchmal.

Santa Clara hat mit seinen verfallen Häusern. Pferdekutschen und dem Revolutions-Charme mein Herz erobert. Ich merke, wie ich mich von Tag zu Tag in diesem Urlaub mehr auf das Land und seine Menschen einlasse. Ich habe für mich selbst akzeptiert, dass es keine Supermärkte gibt, nur kleine Tiendas und den Straßenverkauf. Es gibt eben nicht immer Bananen, wenn man doch welche findet, dann kommen sie direkt von der Staude. Die Menschen sind unglaublich herzlich und großzügig.

Nach zwei Nächten in Santa Clara machen wir uns auf den Weg nach Trinidad – endlich karibische Strände wie in meiner Vorstellung. Die Innenstadt ist seit den 80er Jahren UNESCO Weltkulturerbe – das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Die Schlange am Ticketschalter ist ewig lang, wir brauchen fast eine Stunde. Die Gelassenheit der Kubaner hat sich schon auf mich übertragen, ich bin entspannt und überzeugt, dass wir schon ein Ticket haben werden, bevor der Bus nach Trinidad fährt. Wenn nicht, dann nehmen wir den nächsten. Ist ja schließlich Urlaub.

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