“Man fährt nicht wegen der Städte nach Norwegen – sondern wegen der Natur.”
Vielleicht einer der besten Sätze, die man zusammenfassend über Tromso sagen kann. Und doch wird er der Stadt nicht ganz gerecht – immerhin der nördlichsten Stadt überhaupt. Tromso ist mehr als ein Basecamp für Ausflüge in die Arktis. Mehr als ein Hafen der Hurtigruten. Tromso ist definitiv einen Stopover wert – und ich habe schon einen Grund gefunden, warum ich unbedingt wiederkommen will.

1. Die Seilbahn.
Tromso liegt auf einer Insel, ganz Norwegen ist von Fjorden, Inseln und Seen durchzogen. Zwei Brücken verbinden die Insel mit anderen Inseln und dem Festland. Zwischen den Brücken liegt, an einem kleinen Berg, die Stadt. Für einen ersten Überblick und einen fantastischen Ausblick ist die Seilbahn zu empfehlen.
Alle dreißig Minuten fährt die Gondel, der Preis ist – wie alles in Norwegen – recht happig (umgerechnet 17 € kostet die Fahrt), aber definitiv eine Investition wert. Oben gibt es zahlreiche Wanderwege, ein Restaurant und unglaubliche Ausblicke wohin das Auge reicht.
Einen kleinen Tipp zur Zeitwahl: Gegen 14:00 läuft die Fähre der Hurtigruten ein. Von oben hat man einen wunderschönen Blick und kann das berühmte Postschiff wunderschön auf Bildern einfangen. Ganz abgesehen davon passt der Zeitpunkt auch ganz gut zu den Öffnungszeiten der Eismeerkathedrale.

2. Die Eismeerkathedrale.
Ich habe mir sagen lassen, am beeindruckendsten sei die Kathedrale zur Mitternachtssonne – das mag wohl wahr sein. Zwischen dem 14. Mai und dem 30. Juni geht die Sonne hier im Norden nicht unter und taucht die Landschaft in ein magisches Licht. Durch die Fenster der Kathedrale scheint dann zu Mitternacht dieses mystische Licht, dazu gibt es Konzerte – mit Sicherheit ein ganz besonderes Erlebnis. Auch ohne Mitternachtssonne ist die Eismeerkathedrale aber einen Besucht wert: Innen ganz modern und schlicht gehalten, außen den Spitzen der Eisberge nachempfunden.

3. Outdoorkleidung.
Èin sehr deutsches Thema. Deustche Touristen erkennt man häufig an ihrer Outdoorkleidung. Päärchen in matching Regenjacken und Zipperhosen in europäischen Großstädten. Wanderausrüstung die einer hochalpinen Tour gerecht werden würden, wenn sie nur einen kurzen Waldspaziergang machen. Ein deutsches Klischee. Gegen das ich mich were, Outdoorkleidung trage ich nur, wenn es wirklich notwendig und sinnvoll ist. Lass es mich so sagen: Es wäre in Tromso sinnvoll gewesen. Auch wenn die Temperaturen für den späten September außergewöhnlich milch waren: Der Wind kommt vom Nordpolarmeer. Viel näher kommt man dem Nordpol auf dem Festland nicht mehr. Eine Softshelljacke hätte Sinn gemacht, Treckingschuhe hätten Sinn gemacht, entsprechende Funktionsbekleidung hätte Sinn gemacht. Lern aus meinen Fehlern.

4. Das Polarmuseum.
Achtung – es gibt zwei Museen mit ähnlichen Namen und – so meine persönliche Erfahrung und Wahrnehmung – nur eines davon ist tatsächlich sehenswert. Polaria ist wohl eher für Kinder, die Hauptattraktion sind drei Robben in einem Wassertank. Wer schon mal eine Robbe gesehen hat, ist wahrscheinlich nur bedingt begeistert. So wie ich.
Das Polarmuseum am Hafen hat mir wesentlich besser gefallen: In einem alten Holzhaus wird auf zwei Etagen die Geschichte der Polarfoschung und die Rolle von Tromso als Ausgangshafen erzählt. Viele Exponate, genaue Erklärungen zur Robben- und Eisbärenjagd, Modelle der ersten Schiffe die zB von Ammundsen genutzt wurden. Die Beschilderung ist auf Norwegisch, es gibt aber ein kostenfreies deutschprachiges Begleitheft.

5. Kaffee.
Kaffee können sie, die Norweger. Woran auch immer das liegen mag. Vielleicht weil es in Tromso so lange dunkel ist und die Menschen trotzdem wach werden müssen? Jedenfalls habe ich ausschließlich fantastischen Kaffee getrunken, dazu eine Hefe-Zimtschnecke mit Spuren von Kardamom, da kann man den eisigen Wind schon mal vergessen.

6. Die Nordlichter.
Nordlichter zu sehen war einer der großen Punkte auf meiner Liste. Neben Walen – für die es leider noch zu früh im Jahr war. Nordlichter gab es tatsächlich in jeder Nacht, sieben Tage lang. Nun gibt es natürlich unzählige Anbieter für spezielle Nordlichttouren, sie versprechen eine 100%ige Sichtungsgarantie und fahren die Touristen zur Not auch bis nach Finnland um das Naturspektakel zu sehen. Meine persönliche Meinung? 100 € kann man sinnvoller investieren. Man sieht die grünen Lichter am Nachthimmel auch aus der Stadt ganz fantastisch. In der Nähe der Universität ist ein Wald – dort hält sich die Lichtverschmutzung durch die Lichter der Stadt in Grenzen. Alternativ kann man auch mit der Seilbahn fahren (die letzte Bergfahrt ist um 22:00, die letzte Talfahrt 22:30, die Nordlichter treten auf, sobald es dunkel wird). Oder man mietet sich ein Auto und fährt ein Stück in die umliegenden Fjorde. Versteht mich nicht falsch – die Touren haben durchaus ihre Berechtigung, man muss sie nur nicht zwangsläufig buchen um Nordlichter zu sehen. Ich würde in jedem Fall keine Tour von Deutschland aus buchen sondern erstmal die Gegebenheiten vor Ort checken und dann entscheiden.

7. Die An- und Weiterreise.
Der einfachste und schnellste Weg von Deutschland aus ist sicherlich ein Flug. Direktflüge gibt es nicht, man muss in Oslo umsteigen. Auch hier habe ich gelernt: Laut norwegischem Recht muss man an dem Flughafen durch den Zoll, an dem man Norwegen erreicht. Das bedeutet – unabhängig davon, zu welchem Zielflughafen das Gepäck eingecheckt ist – dass man in Oslo den eigenen Koffer vom Band nehmen, durch den Zoll gehen, den Koffer wieder einchecken und die Sicherheitskontrolle noch einmal passieren muss. Das kostet Zeit. Zeit, die die Fluglinien bei der Buchung nicht unbedingt einplanen. Ich habe auf dem Hinweg meinen Anschlussflug verpasst, die Umbuchung verlief allerdings vollkommen problemlos und war eine reine Formsache. Trotzdem – ein bisschen nervig.
Man kann mit dem Auto von Deutschland anreisen. Von München aus sind es etwas mehr als 3000 km. Aber – und das ist ein großes ABER – man sollte im Hinterkopf haben, dass es in Norwegen so gut wie keine Autobahnen gibt. Man fährt ab Oslo auf Landstraßen, entlang der Fjorde. Das ist landschaftlich unglaublich reizvoll, aber eben auch sehr zeitaufwändig – im Winter ist es aufgrund der Schneeverhältnisse eine noch größere Herausforderung und Geduldsprobe.
Die schönste Anreise? Wahrscheinlich ab Bergen mit Hurtigruten. Die alte Postschiff-Linie fährt die Strecke von Bergen bis hoch nach Kirkenes an der russischen Grenze täglich (einmal von Süden nach Norden und einmal von Norden nach Süden). Man kommt vorbei an unzähligen landschaftlich reizvollen Fjorden und sieht die komplette norwegische Küste. Diese Art des Reisens ist recht zeitintensiv (etwa zwölf Tage dauert die Fahrt bis nach Kirkenes) und vorallem sehr teuer. Aber vielleicht ist es ja eine Alternative für eine Teilstrecke?
Vor Ort ist ein Auto fast unverzichtbar. In Tromso selbst kann man alles erlaufen – sobald man aus der Stadt raus will, wird die Abdeckung mit öffentlichen Verkehrsmittel schnell recht dünn. Die Alternative zum eigenen Auto ist die Buchung von Ausflügen über die zahlreichen Anbieter.

8. Das Essen.
Hier habe ich vermutlich den frischesten Fisch meines Lebens gegessen. Ein selbst gefangener Kabeljau, der auf dem Tisch gestanden hat ungefähr zehn Minuten, nachdem ich ihn aus dem Meer gezogen habe. Frischer geht es nicht.
Fisch gibt es überall in der Stadt, frisch ist er auch überall. Dazu Rentier in den unterschiedlichsten Varianten (der Geschmack erinnert an eine Mischung aus Lamm und Wild) und Walfleisch. Letzteres habe ich nicht probiert, kann man aber durchaus. Ich empfehle tatsächlich sich einfach auf die Spezialitäten der Landesküche einzulassen und zu probieren, welche Überraschungen die Küche bereithält. Rentiereintopf fand ich richtig gut.