Wir reisen mit zwei Reiseführern: Einen Footprint um die backpackerfreundlichen Tips zu bekommen und einem Baedeker um den kulturellen Anspruch nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Im Laufe der Reise stellt sich immer wieder heraus, das die beiden Reiseführer für zwei komplett unterschiedliche Zielgruppen geschrieben wurden – entsprechend werden auch verschiedene Orte hervorgehoben und als sehenswert eingestuft. Bei Trinidad sind sich beide Reiseführer einig – das sollen wir uns anschauen.

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Nachdem wir endlich ein Ticket für den Bus von Santa Clara nach Trinidad ergattern konnten, geht es los. Wir fahren durch Bananenplantagen und vorbei an Gebirgsketten. Vor mir sitzt ein junger Kubaner, der so unfassbar laut schnarcht, dass ich ihn durch meine Kopfhörer und die aufgedrehte Musik hören kann. In diesem Moment ist es mir egal: Ich freue mich auf Trinidad und karibische Strände.

Die Innenstadt ist seit Anfang der 2000er UNESCO Weltkulturerbe und wirklich richtig niedlich. Die maximal zweigeschossigen Häuser sind in allen nur erdenklichen Farben gestrichen und – so jedenfalls der Eindruck von außen im Vergleich mit allem, was wir bisher gesehen haben – richtig gut erhalten. Der Putz bröckelt selten und es entsteht ein fröhliches und aufgeräumtes Stadtbild. Leider scheinen nicht nur unsere Reiseführer die Stadt zu empfehlen, es ist unglaublich touristisch. Wir finden kaum einen Platz zum Essen und zahlen am Abend tatsächlich 50 CUC – das sind 50 € und wir fühlen uns ein bisschen ausgenommen.

Nachdem wir zwar wegen der geschützten Innenstadt aber auch wegen der karibischen Strände gekommen sind, genehmigen wir uns einen Tag am Strand etwa 15 Auto-Minuten von der Innenstadt entfernt. Wir verbringen den Tag im Paradies. Versorgt mit Snacks (wir haben einen kleinen Stand mit salzigen Keksen und Erdnusskaramell gefunden) verbringen wir einen kompletten Tag lesend und schlafend in der Sonne. So muss Karibik sein.

Für den kommenden Tag haben wir eine Touristentour gebucht: Von Trinidad aus geht es am frühen Morgen mit dem Katamaran auf eine vorgelagerte Insel. Wir verbringen den Tag auf Cayo

Blanco. Lina und ich schlafen in der Sonne auf dem Katamaran und genießen die Überfahrt. Eigentlich wollten wir auf Cayo Blanco schnorcheln – der Wellengang ist leider so stark, dass das einfach nicht möglich ist. Wir sehen trotzdem ein paar bunte Fische am Riff und freuen uns. Statt schnorcheln legen wir uns eine Stunde ins Netz vom Katamaran und lassen es uns einfach gut gehen. Cayo Blanco tut uns gut – wir sind völlig entspannt. Nach einem Paella-Lunch legen wir uns auf der Insel nochmal an den Strand, schwimmen direkt am Strand mit vielen verschiedenen Fisch-Schwärmen und genießen den Ausblick bei Mojito und Cuba Libre.

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Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Cienfuegos und die Urlaubsdepression erfasst uns mit voller Wucht: Wir können der niedlichen Kolonialstadt eigentlich nichts mehr abgewinnen. Wir sind blind für die Prachtbauten der Zuckerbarone und genervt von der eingeschränkten Essenauswahl. Cienfuegos kann nichts dafür, objektiv ist es wunderschön, wir brauchen nur eine kleine Auszeit. Anstatt mehr zu unternehmen und uns weiter umzuschauen (die Umgebung bietet unheimlich viel: Es gibt alte Zuckerrohrplantagen die man sich anschauen kann, ein Schloss, einen Stausee, wunderschöne Strände) verbringen wir einen kompletten Tag im Innenhof unserer Casa Particular. Wir schlafen aus, Frühstücken gemütlich und plaudern uns durch den Tag. Das ist Urlaub für mich: Auch einfach mal gar nichts machen und in Kauf nehmen, dass man einen Teil der Kultur, für die man nach Kuba und Cienfuegos gekommen ist, verpasst.

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Trinidad und Cienfuegos sind in jedem Fall einen Besuch wert. Im Hinterkopf sollte man behalten, dass gerade Trinidad ein Touristenzentrum ist und die Preise den europäischen in nichts nachstehen.
Cienfuegos hat einen großen Hafen und ist in der Vergangenheit mit Sklavenhandel und Zuckerexport zu großem Reichtum gelangt. Zum ersten Mal auf Kuba sehen wir eine Fußgängerzone mit Geschäften, in denen man tatsächlich etwas kaufen kann. Unsere Einkäufe beschränken sich allerdings trotzdem auf drei Speiseeis, Wasser, Nudeln, Tomatensoße und ein Glas Essiggurken. Von den Essiggurken träumen Lina und ich schon, seitdem wir in Havanna losgefahren sind. Obwohl sie viel zu teuer sind, gönnen wir uns das Glas und verschlingen den Inhalt im Hinterhof der Casa. Que bueno.

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