Ein Semi-naked-cake sollte es werden. Das hatte ich mir in den Kopf gesetzt. Unzählige Torten-Bilder auf einer Pinnwand gesammelt und in meiner Naivität gedacht, dass es kein Problem sein sollte, eine eben solche Torte, wie ich sie mir vorgestellt hatte, zu finden, zu bestellen.
Hint: Es war ein Problem.

Ich habe mir einige Konditoreien angeschaut, online nach kleineren Anbietern von Hochzeitstorten im Saarland gesucht und nichts gefunden, was mich wirklich überzeugt hätte.

Ich gebe es ganz ehrlich zu: Ich habe zwischendurch geflucht, geschimpft und bin fast verzweifelt. Eine mehrstöckige Hochzeitstorte für die eigene Hochzeit zu backen ist ein nicht unbedingt komplett problem- und stressfreies Unterfangen. Es ist auch nicht zwingend günstiger als eine professionelle Torte – aber es ist sehr viel persönlicher und macht nochmal einen kleinen Unterschied.

Letztlich haben wir uns für zwei Etagen entschieden, die jeweils mit unterschiedlichen Crèmes gefüllt waren: Eine Mandelboden mit einer Amaretto-Füllung und ein Vanille-Boden mit Cheesecake-Crème. Außen habe ich die Torten mit einer dünnen Schicht Vanille-Buttercrème eingestrichen.
Und weil ich irgendwie noch nicht genug gefordert war, habe ich eine zusätzliche kleine glutenfreie Torte gebacken – für meine Trauzeugin.

Beide Etagen habe ich auf Cakeboards gestellt und die kleinere obere Torte einfach nur mit dem Cakeboard auf die untere Torte gestellt – ich habe auf eine zusätzliche Fixierung verzichtet. Für uns hat es so gut funktioniert und den Tag bis zum Anschnitt sehr gut überstanden.

Rezept für den Mandelboden

Ich habe hier das vierfache Rezept gebacken um sicher zu gehen, dass ich genug Böden zur Verfügung haben würde. Die untere Torte hatte einen Durchmesser von 26 cm und bestand aus vier Schichten Tortenböden.
Die Inspiration für den Teig stammt übrigens von Coucoubonheur. Der Teig war – auch ohne ein Bisquit zu sein – schön fluffig leicht und trotzdem stabil genug die Masse an Crème und die zweite Etage zu tragen.

Ich habe die Böden schon vier Tage vor der Hochzeit gebacken und in Frischhaltefolie verpackt. Sie waren am Tag der Hochzeit noch super saftig und kein bisschen krümelig.

Zutaten:
4 Eier
200 g feiner Zucker
100 ml Milch
150 ml Amaretto
200 ml Rapsöl
200 g Mehl
100 g gemahlene Mandeln
1 Päckchen Backpulver

Zubereitung:
1. Zuerst schlägst du die Eier mit dem Zucker und einer Prise Salz in der Küchenmaschine

2. Die Masse sollte sich im Volumen etwa verdreifachen und der Zucker sollte sich komplett lösen. Bei mir hat das (bei der vierfachen Menge) fast eine Stunde gedauert.

3. Gieß langsam Milch, Amaretto und Rapsöl zur Eiermasse und rühr die Flüssigkeiten ganz langsam unter.

4. Sieb Mehl und Backpulver und misch es unter. Zum Abschluss kommen die Mandeln unter den Teig.

5. Der Teig wird in einer gefetteten Springform auf 180 Grad für etwa 50 Minuten gebacken.

Lass die Kuchen unbedingt komplett auskühlen bevor du ihn schneidest und zerteilst – sonst hast du am Ende nur noch Brösel übrig. Ich habe zum Schneiden einen Tortenschneide-Draht verwendet und jeden Kuchen in drei Schichten zerteilt.

Rezept für den Vanilleboden

Die obere Torte hatte einen Durchmesser von 20 cm. Ich habe das doppelte Rezept gebacken um auf der sicheren Seite zu sein.
Es ist ein ganz simpler Bisquitteig, den ich mit echter Vanille verfeinert habe.

Zutaten:
3 Eier
120 g Zucker
100 g Mehl
1/2 Päckchen Backpulver
Mark aus einer Vanilleschote

Zubereitung:
1. Schlag Eier und Zucker schaumig auf. Das Volumen sollte sich locker verdoppeln. Je länger du Dir Zeit für das Aufschlagen der Eier nimmst, desto luftiger wird das Ergebnis.

2. Sieb Mehl und Backpulver unter und verrühr die Mischung.

3. Heiz den Backofen auf 180 Grad vor und streich eine Springform mit Butter aus.

3. Heb das Vanillemark vorsichtig unter. Der fertige Teig kommt in die Springform und wird etwa 20 Minuten gebacken.

Auch bei diesem Bisquitboden solltest du den Kuchen komplett auskühlen lassen, bevor du anfängst ihn zu schneiden.

Rezept für die Amaretto-Creme

Ich habe die Creme tatsächlich erst kurz vor dem Füllen der Torten hergestellt. Die Gelatine in der Crème kann ein bisschen tricky sein und zu schnell zu fest werden.
Falls Dir das passiert – keine Panik. Fest gewordene Gelatine lässt sich mit (vorsichtigem langsamen) Erwärmen wieder verflüssigen. Auch mehrmals.

Bei diesem Rezept habe ich die doppelte Menge vorbereitet um eine 26er Torte zu füllen. Ganz so viel wäre nicht notwendig gewesen, ich wollte aber auf der sichereren Seite sein.

Zutaten:
6 Blatt Gelatine
Zitronensaft (ca. 1/2 Zitrone)
3 Eigelb
150 ml Amaretto
70 g Zucker
200 ml Schlagsahne

Zubereitung:
1. Weich die Gelatine nach Packungsanleitung in kaltem Wasser ein.

2. Misch Zitronensaft, Eigelb, Amaretto und Zucker in einem kleinen Topf und erwärm die Mischung unter ständigem Rühren langsam, bis sich der Zucker komplett aufgelöst hat.
Hier musst du ein bisschen aufpassen, wirklich ständig rühren und ganz langsam erwärmen – sonst stockt Dir das Ei.

3. Drück die eingeweichte Gelatine aus und rühr sie unter die warme Crème. Jetzt muss die Gelatine ein bisschen ruhen, damit sie ihre Wirkung entfalten kann. Zehn Minuten im Kühlschrank sind ausreichend.

4. In der Zwischenzeit kannst du die Sahne steif schlagen und dann vorsichtig unter die Gelatine-Mischung heben.

5. Ich habe die Amaretto-Crème in eine Spritztülle gefüllt und die Tortenböden damit gefüllt. Die Crèmeschicht sollte nicht dicker sein als der jeweilige Boden – sonst wird es instabil.

Einfacher wird die Füllung der Torte, wenn du einen Tortenring verwendest. Ich habe einen größenverstellbaren Ring verwendet, um ein bisschen flexibler zu sein und auch künftige Projekte umsetzen zu können.

Rezept für eine Cheesecake-Crème

Zutaten:
500 g Frischkäse
160 g Zucker
Mark einer Vanilleschote
Prise Zimt
100 ml Sahne

Zubereitung:
1. Rühr zunächst den Frischkäse cremig, dann kommen die restlichen Zutaten hinzu.

2. Auch hier habe ich mich wieder für eine Spritztülle entschieden um die Creme auf den Tortenböden zu verteilen.
Einfacher wird es auch bei der kleinen Torte, wenn man einen (größenverstellbaren) Tortenring verwendet. Das Ergebnis ist einfach so viel gleichmäßiger und ordentlicher, dass ich nicht mehr darauf verzichten wollen würde, wenn ich eine Torte selbst backe.

Rezept für eine klassische Buttercrème

Zutaten:
500 ml Milch
1 Päckchen Vanillepuddingpulver
2 EL Zucker
250 g Butter
etwas Puderzucker – für den Geschmack

Zubereitung:
1. Koch aus Milch, Zucker und Puddingpulver einen ganz normalen Pudding. Lass ihn auskühlen.

2. Rühr die Butter mit dem Handrührer schaumig und gib den (ausgekühlten) Pudding löffelweise hinzu.

3. Nach Geschmack kannst du noch etwas Puderzucker hinzu geben – wenn du es süßer magst.

4. Die Buttercrème habe ich ganz dünn (und relativ warm) rund um beide Etagen und auch auf dem oberen Teil der unteren Torte gestrichen.

Alle Bilder in diesem Beitrag stammen von unserer Fotografin – sunny vee.