Fast schon mahnend starren mich die Zeilen auf dem Titelblatt der Zeit an, als ich sie gestern aus dem Briefkasten gezogen habe. Wann werden wir erwachsen, wann werde ich erwachsen? Ganz ehrlich: Wahrscheinlich gar nicht. Muss ich auch nicht, jedenfalls nicht durch und durch.

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Zwischen Buchhaltung, dem Wocheneinkauf und dem Reifenwechsel fühle ich mich immer wieder sehr erwachsen. Unangenehme und lästige Dinge erledingen, unpopuläre Entscheidungen treffen, Verantwortung für mich und andere übernehmen. Ist das erwachsen?
Und dann doch wieder Entscheidungen treffen, bei denen man ein flaues Gefühl im Magen hat. Einen Anflug von „eigentlich weiß ich es besser, ich mache jetzt aber trotzdem mal“. Fühlt sich nicht erwachsen an, fühlt sich meist (im Nachhinein) auch nicht gut an.

Vor dem Gesetz gelte ich schon lange als erwachsen. Je nach Definition und Teilbereich seit 15, 13 oder 10 Jahren. Ich bin volljährig, geschäfts- und deliktfähig, habe meine volle strafrechtliche Verantwortlichkeit erreicht. Ich darf wählen, kann gewählt werden. Zahle Steuern und Sozialabgaben – das fühlt sich immer wieder sehr erwachsen an. Ich übernehme meinen Teil der Verantwortung in der Gesellschaft. Ja, erwachsen sein bedeutet Verantwortung tragen, übernehmen – in allen Lebensbereichen.

Bluse – Zara, alt
Jeansjacke – more&more*
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Und trotzdem möchte ich mir das bewahren, was das „Kind sein“ ausmacht.

Ich möchte begeisterungsfähig bleiben.
Ich möchte mich mitreissen lassen und andere mitreissen. Spontan ein Wochenende auf einem Festival verbringen? Ja. Auch mit der Konsequenz, dass der Montag (und der Rest der Woche) sich ziehen wird wie Kaugummi. Diese Momente, mit Freunden in der Sonne zu guter Musik tanzen, dabei Bier aus Plastikbechern trinken und vollkommen erschöpft aber glücklich mit den ersten Sonnenstrahlen einschlafen – das ist es wert. Darauf möchte ich nicht verzichten.

Ich möchte staunen können – auch über Kleinigkeiten.
Der Zitronenbaum auf unserem Balkon, der vollkommen aus dem Nichts am Stamm neue Blätter hervorbringt. Die Geschwindigkeit mit der Kinder lernen und Kinder im Allgemeinen – wie beeindruckend ist es, dass ein kompletter Mensch im Bauch eines anderen Menschen wächst. Dass er nach neun Monaten raus kommt und einfach perfekt ist? Für mich ist es immer wieder ein Wunder, das mich zum Staunen bringt.

Ich möchte mir meine Risikobereitschaft beibehalten, Neues ausprobieren, entdecken.
Als ich mich vor drei Jahren selbstständig gemacht habe, war das ein Risiko. Ich bin einfach gesprungen, ohne Netz und doppelten Boden. Vor 18 Monaten bin ich in einen Flieger nach Amman gestiegen – weil es sich zu diesem Zeitpunkt richtig angefühlt hat. Ich wusste nicht, was mich erwartet, die Erfahrung hätte ganz unfassbar schief gehen können. War es wirklich erwachsen diese Risiken einzugehen?

Gemeinhin sagt man, Menschen seien erwachsen, wenn sie ihre Impulse kontrollieren können. Aber will ich das wirklich? Will ich wirklich erst alle Seiten betrachten, Risiken abwägen und damit die vielleicht wunderbarsten Momente meines Lebens und all das, was ich daraus lerne verpassen?
Auf keinen Fall. Dann bin ich lieber nicht erwachen.

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit more&more entstanden.