Lange habe ich überlegt, ob ich in dieser Woche einen Wochenrückblick schreibe. Ob ich einfach weitermache und die Ereignisse in München ignoriere. Eine Schießerei im OEZ. Das fühlt sich nochmal anders an. Näher und bedrohlicher. Eine Schießerei direkt vor unserer Haustür. Was bedeutet das für mich? Was bedeutet es für den Blog?
Ich habe mich entschieden einen Wochenrückblick zu schreiben. 

München: 

Ich hatte eine großartige Woche. Und ich will meine Tage und Stunden in Lissabon nicht überschatten lassen. Ich will der Angst keinen Raum geben – nicht im echten Leben und nicht auf Nummer Fünfzehn. Und doch ist die Angst da: Vor erneuten Schüssen, vor einem Amoklauf oder einem Terroranschlag. Ich kann sie nicht komplett ausblenden. 
Vor ein paar Wochen habe ich schon mal darüber geschrieben, was eigentlich vom Terror bleibt. Was aus uns und unserer Gesellschaft wird. Entscheidend ist für mich nicht die Angst, die am Freitag Abend und in den frühen Morgenstunden am Samstag die Nachrichten beherrscht hat. Entscheidend ist die Reaktion, die München gezeigt hat: #offeneTüren hat sich durch Facebook und Twitter gezogen. Die Münchner Bürger, die zu Hause und in Sicherheit waren, haben die, die unterwegs waren und – durch den Ausfall der Öffis und die „Ausgangssperre“ – nicht nach Hause kamen zu sich eingeladen. Fremde, Freunde – es gab in dieser Nacht offene Türen. Ist das nicht eine großartige und wunderschöne Geste? Eine, die uns zeigt wie eng wir zusammen stehen. Eine die uns zeigt, dass menschliche Nähe und Empathie nicht verloren gegangen sind. 

Eigentlich hätte ich Freitag Nachmittag einen Flug von Lissabon nach Luxemburg nehmen sollen, um das Wochenende mit meiner Familie zu verbringen und den Geburtstag meiner Mama zu feiern. Eigentlich. Der Flug wurde gestrichen und ich konnte Freitag keinen anderen mehr nach Luxemburg erwischen. Ich hatte dann überlegt nach München zu fliegen, das Wochenende dort zu verbringen und nächste Woche zu feiern – ich habe einen Moment zu lange überlegt und der Flug nach München war plötzlich schon geschlossen und nicht mehr für mich zu erreichen. Im ersten Moment war ich genervt, traurig – und dann haben mich die ersten Anrufe und Nachrichten von Freunden erreicht. Jetzt bin ich dankbar, nicht in München zu sein. Ich habe noch eine Nacht in Lissabon verbracht und einen Flug am frühen Samstag Morgen genommen – nach Luxemburg. 

In dieser Woche: 

…war ich in Lissabon. Montag bis Samstag. In meiner Lieblingsstadt habe ich ein paar wunderschöne Sommertage verbracht und mich richtig schön entspannt. Schon wenn ich in den Flieger steige, setzt die Entspannung ein. Ich freue mich auf die Stadt, auf sonnige Stunden, einen Moscatel zum Sonnenuntergang und viel frischen Fisch. Diesmal bin ich mit einer wunderbaren Freundin gereist und wir hatten so schöne Tage, dass ich noch trauriger war als sonst, als ich mich in Richtung Flughafen aufgemacht habe. Egal wie oft ich in Lissabon bin – es gibt immer wieder neue Orte, Nachbarschaften und Cafés zu entdecken. Lissabon ist wahnsinnig lebendig und entwickelt sich nach der Krise zu einer noch schöneren Stadt, als es vorher schon war. 
Auch diesmal haben wir uns – fast ohne Plan – treiben lassen und einfach entdeckt, was gekommen ist. Es gibt nichts mehr, was wir „abarbeiten“ müssen, weil es in irgendeinem Reiseführer steht. Ich liebe dieses Gefühl. Ein neuer Lissabon-Guide kommt in den nächsten Wochen – damit du auch etwas von meinem Urlaub hast. 

In der kommenden Woche: 

Kommt unser neuer Kühlschrank. Eigentlich nicht spektakulär – aber irgendwie doch. Angezogen von den Prime-Day-Angeboten habe ich das gute Stück bei einem großen Online-Händler gekauft. Und er wurde nicht geliefert. Trotz garantiertem Lieferdatum. Nach unendlichen Gesprächen mit dem Händler und dem Versanddienstleister soll er Montag tatsächlich kommen – und ich könnte mich kaum mehr freuen. Ob die Verzögerungstaktik wohl zum Marketing gehört?! Wenn man den Kunden nur lange genug warten lässt (immerhin zehn Tage nach garantiertem Lieferdatum) dann freut er sich auch über einen Kühlschrank?

Ansonsten stehen in der kommenden Woche ein paar Shootings, Events und einige Tage im Büro an, bevor ich am Wochenende nochmal in die Heimat fahre. Eine München-Woche mal wieder – und ich freu mich auf meine Wohnung. 

Worüber ich mich in dieser Woche geärgert habe: 

Für einen Moment habe ich mich geärgert, dass mein Flug aus Lissabon am Freitag Nachmittag gestrichen wurde. Aber wirklich nur kurz: Immerhin hatte ich so einen Tag mehr in der Stadt und ändern kann man eine solche Situation sowieso nicht – also warum länger ärgern?! Die Abwicklung mit der Airline hat auch tatsächlich reibungslos geklappt – ich konnte einen Flug für den kommenden Tag mit einer anderen Airline buchen, habe ein Hotelzimmer, Essen und den Taxitransfer bekommen. Statt den Abend im Flieger zu verbringen habe ich in Lissabon in der Sonne gesessen und gelesen. Es könnte schlechter laufen.