Wir haben in Ägypten keinen Badeurlaub gemacht, wir haben uns dieses Mal für das volle Kulturprogramm entschieden. Nach fünf Tagen in Kairo haben wir nochmal zwei Tage Luxor dran gehängt – viel zu wenig, das weiß ich jetzt. Zwei Tage, das reicht für einen kleinen ersten Überblick und für die größten Sehenswürdigkeiten. Immerhin.

Ägypten ist riesig. Mit ein bisschen mehr Zeit hätte ich gerne den Nachtzug von Kairo nach Luxor genommen, zehn Stunden im Schlafwagen. Leider ist es sich nicht wirklich ausgegangen – wir haben am Ende den Flieger genommen. In vierzig Minuten ist man von der Hauptstadt im Süden, etwa 1000 km den Nil herunter. Schon in Kairo wurden wir immer wieder auf Luxor und das Tal der Könige verwiesen. Dort liegt das Grab von Tutanchamun, von Ramses II und der Luxor-Tempel. Das Tal der Könige, das Tal der Königinnen und der Tempel von Hatshepsut. Die riesige Tempelanlage von Karnak – zurecht wird Luxor oft als das größte Open Air-Museum der Welt bezeichnet.

Tag eins in Luxor: Luxor-Tempel, die moderne Innenstadt und die Tempelanlage von Karnak.

Wir haben den ersten Flug am Morgen von Kairo nach Luxor genommen. Schon um 7:30 waren wir in Luxor, um 9:00 schon fertig mit dem Frühstück und auf den Weg zu den ersten Tempeln.
An Tag 1 haben wir uns dem Ostufer gewidmet: Luxor-Tempel, der Tempel von Karnak und das moderne Luxor.
Wir hatten unser Hotel – das Beit Sabee – auf dem Ostufer. Brücken sind in Luxor eher rar, wir haben deswegen auf dem Hinweg eines der kleinen Boote und auf dem Rückweg die öffentliche Fähre genommen. Es dauert nur ein paar Minuten, sehr viel schneller als der Umweg mit dem Auto über die nächste Brücke.

Luxor-Tempel.

Unser Tag hat mit einem Besuch im Luxor-Tempel gestartet. Ich rate Dir aber mit dem Karnak-Tempel zu starten: Karnak schließt um 18:00, Luxor-Tempel ist bis 22:00 geöffnet. Wir waren etwa zur Mittagszeit dort, komplett alleine – keine Touristengruppen und keine Schulkinder.
Wie so viele Monumente ist auch der Luxor-Tempel nicht aus einem Guss entstanden, sondern vielmehr das Ergebnis immer wieder kommender Veränderungen und Erweiterungen. Der ursprüngliche Tempel wurde von Hatshepsut gebaut, dann von Amenhotep III erweitert. Dann von Ramses II, Tutanchamun und Alexander dem Großen weiter entwickelt.
Entdeckt wurden die Ruinen vor gar nicht allzu langer Zeit, als die angrenzende Moschee erweitert werden sollte. Bei Bauarbeiten stieß man auf die ersten Steine, heute ist ein riesiges Areal freigelegt und die Arbeiten dauern noch an. Vor allem die Avenue of the Sphinxes, die wohl vom Luxor-Tempel bis zur Tempelanlage von Karnak geführt hat, ist noch nicht komplett freigelegt.

Übrigens: Vor dem Tempel von Luxor steht ein riesiger Obelisk. Einer nur, wo ursprünglich mal zwei zu sehen waren. Der zweite steht in Paris auf dem Place de la Concorde. Der Obelisk war ein Geschenk des Ägyptischen Vizekönigs an den Französischen König im Jahr 1834. In einem unendlichen Kraftakt wurde der Obelisk per Schiff auf Nil, dem Meer und der Seine von Luxor nach Paris gebracht.

Die Innenstadt von Luxor.

Die moderne Innenstadt von Luxor ist übersichtlich. Ein paar Straßen, ein kleiner Markt, der sich durch die Gassen zieht. Dazwischen kleine Häuser, das ein oder andere Café und die traurige Wahrheit: Viele Menschen in Luxor leben am Rande des Existenzminimums. Viele leben darunter.
Die Armut von der viele Menschen in Ägypten betroffen sind, hat mich erschüttert. Beschäftigt. Mitgenommen. Ein großer Teil der Bevölkerung hat vor der Revolution und dem Einbruch der Besucherzahlen vom Tourismus gelebt.

Die Tempelanlage von Karnak.

Wir haben uns viel Zeit gelassen und sind am späten Nachmittag Richtung des Tempels von Karnak spaziert. Man ist von der Innenstadt etwa 30 Minuten unterwegs – wir haben uns für den wirklich schönen Promenadenweg entlang des Nils entschieden. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit mit einer der vielen Pferdekutschen zu fahren, im Tempel läuft man auch noch weit und legt jede Menge Kilometer zurück.
Die Tempelanlage ist riesig, wirklich. Man kann dort sicherlich ganz problemlos einen kompletten Tag verbringen. Alleine in der beeindruckenden Säulenhalle – die größte ihrer Art – lädt zum Verweilen im Schatten ein. Wie eigentlich überall in Luxor (oder vielleicht auch in Ägypten im Allgemeinen) ist es keine schlechte Idee einen Guide zu engagieren. Die Preise sind wirklich mehr als überschaubar und wer sich – so wie wir – nicht mit Ägyptologie auskennt, verpasst sonst vielleicht die Highlights. Wir hatten leider keine Zeit für eine ausführliche Besichtigung mit einem Guide und ärgern uns ein bisschen. Gleichzeitig ist das natürlich eine wunderbare Begründung bald mal wieder nach Luxor zu kommen.

Tag zwei in Luxor: Der Heißluftballon, das Tal der Könige, der Totentempel von Hatshepsut und die Memnonkolosse.

Der Heißluftballon.

Unser zweiter Tag in Luxor hat mit einem ganz besonderen Erlebnis begonnen: Wir sind mit einem Heißluftballon über das Tal der Könige gefahren. Zum Sonnenaufgang. Worte können es nicht annähernd beschreiben, es war ein unglaubliches und einmalig schönes Erlebnis. Wir wurden am Hotel abgeholt und mit einem kleinen Bus zu einem Feld gebracht, auf dem die Heißluftballons abgehoben haben. Nach etwa 50 Minuten im Sonnenaufgang über Feldern und dem Tal der Könige sind wir wieder gelandet, wurden vom Kleinbus eingesammelt und dann wieder zum Hotel gebracht.
Bilder sagen in diesem Fall mehr als Worte.

 

Das Tal der Könige.

Das Tal der Könige – noch ein Punkt, der neben den Pyramiden schon lange auf meiner Liste stand.
In einem Tal sind rechts und links in den Bergen zahlreiche Gräber gefunden worden. In den Berg gehauen, versteckt hinter langen Gängen mit zahlreichen kleineren und größeren Kammern. Das berühmte Grab von Tutanchamun wurde 1922 hier entdeckt – vielleicht erinnerst du Dich, dass ich Dir in meinem Traveldiary aus Kairo erzählt habe, dass dieses Grab und der Pharao so berühmt sind, weil es das erste und einzige Grab ist, das mit allen Grabbeigaben und Schätzen gefunden wurde. Die Schätze und Grabbeigaben sind heute im Ägyptischen Museum in Kairo – das Grab an sich ist in Luxor zu bewundern. Im Tal der Könige finden sich die Gräber aus fast 500 Jahren Dynastie im alten Ägypten. Selbstredend sind die Ausgrabungen noch lange nicht abgeschlossen und erst vor ein paar Jahren ist ein Team auf ein neues Grab gestoßen – größer und verwinkelter als alles, was bisher gefunden wurde. Es bleibt also spannend.
Am Eingang zum Tal der Könige am Ticketverkauf muss man sich entscheiden: Für den normalen Eintrittspreis kann man fünf Gräber anschauen. Einige (wie zB das von Tutanchamun) kosten extra. Wir hatten das große Glück in unserem kleinen Hotel mit zwei studierten Ägyptologen zu wohnen und zu frühstücken – die beiden haben uns fünf Gräber empfohlen. Wir waren bei Ramses II (in Memphis hatten wir schon Staturen von ihm gesehen, im Ägyptischen Museum konnten wir seine unfassbar gut erhaltene Mumie bestaunen), Hatshepsut (eine weibliche Königin, ihr Totentempel steht nur ein paar Kilometer weiter und wurde von uns am gleichen Tag besucht) und Ramses IV und Ramses V. Für uns war das genug: Zwar sind wir beide unglaublich beeindruckt gewesen davon, wie groß die Gräber sind. Wie gut erhalten die Farben der Wandmalereien und die Ausdruckskraft der Reliefs…aber wir kennen uns leider nicht wirklich mit der Materie aus. In den Gräbern sind keine Guides oder Touristenführer erlaubt. Insgesamt haben wir etwa vier Stunden auf dem Gelände verbracht, viele Details in den Gräbern bestaunt und waren von den ingenieurtechnischen Leistungen der alten Ägypter mehr als beeindruckt.

Auch hier waren wir wieder zur typischen Lunch-Zeit; das ist vielleicht ein kleiner Tipp. Die wenigen Touristen, die mit Tourbussen vor Ort waren, sind dann zur Mittagspause abgefahren, als wir kamen. Wir hatten auch im Tal der Könige wieder fast die komplette Anlage für uns. Downside: Über Mittag wird es selbstredend unfassbar heiß, in den Gräbern ist es wahnsinnig stickig. Denk am Besten daran genug Wasser mitzunehmen; vor Ort innerhalb der Anlage gibt es keine Getränke zu kaufen.
Für die Kamera gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder kann man sie am Eingang bei einem Guide lassen (no way – auch wenn dort zahlreiche wirklich große Spiegelreflex mit beeindruckenden Objektiven „geparkt“ waren) oder man kauft ein Kamera-Ticket für drei Gräber. Das haben wir gemacht. Die letzten beiden Gräber haben wir dann getrennt voneinander angeschaut, einer hat immer mit der Kamera draußen gewartet.

Der Totentempel von Hatshepsut.

Vom Tal der Könige sind wir weiter gefahren zum Totentempel von Hatshepsut.
Der Tempel ist komplett aus Kalkstein erbaut, teilweise aus dem Berg herausgehauen. Er besteht aus mehreren Terrassen, Säulenhallen auf mehreren Ebenen, einer Kapelle. Viele Staturen wurden im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende zerstört, einiges ist noch erhalten bzw. wurde später in einem nahe gelegenen Steinbruch wieder gefunden. Zu sehen gibt es auch einige gut erhaltene Wandmalereien.

Die Memnonkolosse.

Zum Sonnenuntergang am zweiten Tag hatten wir noch einen letzten Punkt auf der Liste: Die Memnonkolosse. Zwei Tage lang sind wir immer an der Ausgrabungsstelle vorbei gefahren. Haben die Arbeiten gesehen und beobachtet und ich war einfach neugierig, ich wollte näher ran daran die Stauten. Sie stellen den sitzenden Amenhotep dar, sie sind aus Quarzit und stammen wahrscheinlich aus dem 14. Jhd. v.Chr. und haben den Eingang zum Tempel den Amenhotep III markiert. Mit fast 14 Metern Höhe sind sie – wie eigentlich alles was wir gesehen haben – unheimlich beeindruckend und waren im Sonnenuntergang der perfekte Abschluss für unseren Kurz-Aufenthalt in Luxor.

Reichen zwei Tage in Luxor.

Wir haben – bei Weitem – nicht alles gesehen. So viele Gräber im Tal der Könige, im Tal der Königinnen und der Noblen, die Arbeitergräber, noch mehr Tempel und vereinzelte Ausgrabungsstätten. Das Luxor-Museum und einen großer Teil der Tempelanlage von Karnak haben wir bei diesem Besuch einfach zeitlich nicht geschafft. Vor allem eine Kreuzfahrt auf dem Nil, die oft zwischen Aswan (auch dort steht ein riesiger Tempel, den ich einmal sehen möchte) und Luxor stattfinden, möchte ich unbedingt noch machen. Und Alexandria, natürlich möchte ich Alexandria sehen. Und dann noch eine ganz andere Art von Urlaub, den ich einmal in Ägypten machen möchte: Zum Tauchen im Roten Meer. Ein klassischer Strandurlaub in einem der wunderschönen Ressorts.
Eigentlich steht nur eines fest: Es war ganz sicher nicht das letzte Mal, dass ich in Ägypten war. Ganz sicher nicht-